Madrid – im Vorfeld hatte ich keine genauen Vorstellungen, was mich erwartet. Ich wusste nur, dass es in dieser Stadt ein Fülle von Museen gibt, die alle Weltrang hatten. Das klang schon mal anstrengend. Wie anstrengend es dann tatsächlich wurde, ahnte ich nicht und auch nicht wie aufregend – geradezu atemberaubend.
Der erste Spaziergang durch das Madrid der Habsburger offenbarte eine Stadt mit nahezu geschlossenen erhaltenen Straßenzügen aus dem 19. Jahrhundert.
Eine Fassade prächtiger als die andere – ein Platz beeindruckender als der Platz davor. Vor allem die Plaza Mayor mit ihrer Bebauung aus dem 16. – 18. Jahrhundert begeistert. Aus geplanten 45 Minuten wurden 2 Stunden.
Am nächsten Tag standen der königliche Palast und die Almudena-Kathedrale auf dem Programm. Von außen ein geschlossener Eindruck, aber innen der totale Kontrast. Der Palast zeigt die Pracht der Bourbonen, die Kirche ist in ihrer modernen Ausstattung zumindest gewöhnungsbedürftig. A
m Nachmittag dann das Museo National del Prado. Für einen ersten Besuch hatte ich eine Auswahl getroffen, denn für die gesamte Sammlung würden auch mehrere Tage nicht ausreichen. Bewaffnet mit einem Führer, wo welches Bild hängt, suchte ich nun nach den von mir begehrten Objekten. Das war nicht immer leicht – die Logik der Hängung erschloss sich mir nicht vollständig. Aber erst einmal vor den Objekten angelangt, konnte der Genuss beginnen. Vor allem die umfangreiche Sammlung der Spanier, die naturgemäß nirgends in dieser Fülle vorkommt, ist sehenswert. Von den vielen verschiedenen Eindrücken erledigt, fiel ich abends todmüde ins Bett. Am nächsten Tag waren nur zwei Sehenswürdigkeiten geplant – ich freute mich schon auf ein bisschen Erholung – zu Recht?
Die Anreise nach El Escorial ging völlig problemlos von statten, der kostenlose Eintritt nicht ganz so. Man braucht trotzdem ein Ticket, denn nur EU-Bürger und Süd- und Mittelamerika kommen in diesen Genuss, die Zugehörigkeit muss mit einem Ausweis belegt werden. Der Palast ist nur ein Teil dieser größten Renaissance-Anlage der Welt, es gibt dann noch das Kloster, die Kirche, die Schule und die Bibliothek. Der Grundriss fußt auf dem Marterwerkzeug des heiligen Laurentius (Patron von Kloster und Kirche) – dem Feuerrost – und ist damit geometrisch gegliedert. Insgesamt beträgt die Länge der Korridore 16 km. In dem Komplex sind drei Museen eingerichtet, das Tapesseriemuseum, das Architekturmuseum und die
Gemäldegalerie. Weiterhin zu besichtigen sind die Palast- und die Konventräume. Ich hatte nicht vor alles zu sehen, aber - ich hatte keine Wahl. Einmal in das Gebäude eingetreten, wird der Besucher durch alles Sehenswerte geführt. Man verliert leicht die Orientierung durch Zeit und Raum, die Kälte der Mauern lässt ahnen, warum der Monarch Gicht hatte und wenn man denkt, der Ausgang naht – kommt man in die riesige Krypta. Am Ende des Rundganges ist man leicht orientierungslos, durch gefroren (zumindest im März) und hat gefühlt alle 16 km Gänge abgelaufen. Aber man ist auch beeindruckt. Die Anlage ist großartig in ihrer Ausformung, der Herrara-Stil lässt mit seinem desornamento dem Auge auch Ruhezonen und man bekommt durch diesen Mikrokosmos eine Idee über den Makrokosmos, den das spanische Weltreich zu dieser Zeit umspannte.
Der zweite Programmpunkt des Tages galt dem Museum Reina Sofia, das Museum für Kunst des 20. und 21. Jahrhundert. Abends von 19.00 – 21.00 h ist auch hier der Eintritt frei, man bekommt ein kostenloses Ticktet und kann auf die Suche nach den Kunstwerken gehen. Die Logik der Hängung überzeugte mich wieder mal nicht, aber das war unwichtig als ich vor dem Hauptwerk dieses Hauses stand – Guernica von Pablo Picasso.
Ich hatte mich vorher schon eingehend mit diesem Werk beschäftigt, fühlte mich vorbereitet und war es doch gänzlich nicht. Die Ausstrahlung dieses Bildes hat nicht nur mich sondern die gesamte Gruppe umgehauen. Dynamisch, emotional, grausam, tröstend – es gibt nicht genügend Worte, um die Wirkung dieses Bildes zu beschreiben. Man muss es einfach gesehen habe, selbst gespürt haben. Danach kann man nichts anderes mehr sehen – man geht einfach.
Am nächsten Tag stand das letzte der drei Museen aus der Kulturmeile an. Die Sammlung Thyssen-Bornemizsa. Im einzelnen kann man diese Sammlung gar nicht beschreiben, es ist wie ein Gang durch ein umfangreiches Künstlerlexikon von A-Z. In jedem Raum bekommt man einen kleinen Stromstoß, weil man wieder vor unglaublichen Werken steht. Nahezu jeder bekannte Künstler ist hierzu sehen, selbst die weniger bekannten sind mit qualitativ hochwertigen Werken vertreten. Eine deratige umfassende Dichte an Qualität vom 12. – bis zum 20. Jahrhundert habe ich vorher noch nicht gesehen. In diesem Haus ist mehr als ein Rundgang geboten.
Die weiteren Spaziergänge bargen keine größeren Überraschungen mehr, die Gran Via und die Via de Alcala sind allerdings sehr schön und
wer Lust auf Kontrast hat macht einen Ausflug nach Ägypten, denn Madrid beherbergt einen Original-Tempel, den Templo de Debod.
Für alles was ich dieses Mal nicht gesehen habe, komme ich einfach wieder. Da fehlt noch ein bisschen in der Reisekasse? Einfach hier Informationen abrufen, wie man das ändern kann.


